Die Ankunft

Fakten Kirgisistan:

  • Unabhängig seit 1991, musste sich das Land selbst erfinden, da so ein Land vor der Soviet-Ära nicht existierte
  • 90% des Landes liegt über 1.500 Metern und 71% über 2.000 Meter hoch
  • Die Faszination für Besucher liegt darin, dass es ein bisschen von allem gibt: nomadische Tradition, zentralasiatische Mythen, Hinterlassenschaften aus der Soviel-Ära und Sehenswürdigkeiten der alten Seidenstraße
  • Bevölkerung: 5,7 Millionen Menschen
  • Kirgisistan ist ungefähr so groß wie Spanien
  • Nachbarländer: Kasachstan (Norden), China (Südosten), Tadschikistan (Süden), Usbekistan (Westen)
Our route
Unsere Route:: 303 km, 2.741 Höhenmeter

3. bis 10. August 2015 – Mit zweistündiger Verspätung landeten wir sowie unser Gepäck unversehrt. Völlig erschlagen von einer schlaflosen Nacht begann Johan, die Fahrräder am völlig vereinsamten Flughafen zusammenzuschrauben. Wenige Stunden später waren wir dann wieder soweit und wir konnten auf der verkehrsarmen Autobahn in glühender Hitze unsere ersten 35 km in die Stadt radeln – auf Rädern, die so schwer wie nie waren. Wie sollten wir unser Gepäck mit je ca. 35kg über 4.000 Meter hohe Pässe bringen? Das sollten wir noch herausfinden.

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Obwohl kein Verkehr war, versuchten wir, die Autobahn zu verlassen und verfuhren uns prompt. Dafür fanden wir einen armen Bauern, der uns partout nicht ohne eine Melone weiterfahren lassen wollte. Später mussten wir dann feststellen, dass die Melone wahrscheinlich schon länger in der Sonne lag, denn sie war total ausgetrocknet und nicht essbar, dies wohl auch der Grund, weshalb der Bauer so hartnäckig war.

Endlich im Hostel angekommen mussten wir leider feststellen, dass unsere Buchung verschlampt wurde und es für uns kein freies Zimmer mehr gab. Wohlwissend, dass dies der Fehler der Rezeptionistin war, suchte diese uns ein anderes Hostel, wo wir uns kurz darauf einquartierten, um uns dann den ganzen Nachmittag schlafen zu legen.

Kirgisistan hat uns gleich zu Beginn mit seiner Effizienz überrascht. Gleich am nächsten Tag konnten wir unsere Iran-Visa abholen, eine SIM-Karte kaufen, machten alle notwendigen Lebensmitteleinkäufe und konnten uns damit auf den Weg ins Unbekannte machen.

Kyrgyz wedding in Bishkek
Hochzeit auf Kirgisisch in Bischkek

Am Morgen unserer Abreise trafen wir ein Radlerpaar, das gerade Kirgisistan beradelt hatte und vor allem mir Angst machte mit Horrorgeschichten zum Verkehr und hirnlosen Autofahrern auf einigen der Straßen, die auch wir nehmen wollten. Nichtsdestotrotz fuhren wir frohen Mutes los, um die Schönheit Kirgisistans zu entdecken.

Die Radfahrer hatten Recht, der Verkehr war zu Beginn auf unserem Weg in Richtung Son Köl heftig, womit sie aber nicht Recht hatten, waren ihre Einschätzung der Fahrer und der Straßen. Auf den neuen, von den Chinesen erbauten Straßen hatten wir immer ausreichend Platz, entweder auf dem kleinen geteerten Seitenstreifen oder wenn es denn sein musste auch auf dem unbefestigten größeren Seitenstreifen, um gefährliche Situationen zu vermeiden. Und die alten russischen Straßen waren breit genug, um mehrere Autos und LKWs und noch zwei einsame Radler nebeneinander zuzulassen.

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Als am späten Nachmittag unseres zweiten richtigen Radeltages der Verkehr zu stark wurde – wir befanden uns auf der Hauptroute ins beliebte Feriendomizil Issyk Köl – stoppten wir an einem Rastplatz mit kleinen Essensständen, Vodka-Verkaufsständen und chinesischen Touristenläden. Einer der Ladenbesitzer lud uns ein, unter einem seiner offenen Zelte, die normalerweise zum Essen benutzt werden, zu übernachten. Wir nahmen die Einladung an und gerade als wir uns schlafen legen wollten, kam eine gut englisch sprechende Kirgisin auf uns zu und lud uns in ihren kleinen Laden auf ein Eis ein. Nach einer Weile sagte sie uns, wir könnten die nächste Nacht bei ihrer Mutter in Kochkor verbringen, bevor wir uns an die richtigen Berge machten. Wir freuten uns darüber natürlich sehr, kauften nach Ankunft in Kochkor eine riesige Melone als Gastgeschenk nur um festzustellen, dass wir nicht wirklich willkommen waren und in eine viel zu teure, dafür aber saubere Pension weggeschickt wurden. Die 10kg Melone haben wir dann an einem Abend ganz alleine verputzt, denn wir wollten sie nicht auch noch über die Pässe schleppen.

Our first free camp
Unser erstes Camp
Scenery between Bishkek and Kochkor
Landschaft zwischen Bischkek und Kochkor

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Our first real pass at 2,200m right before Kochkor
Unser erster richtiger Pass auf 2,160 m kurz vor Kochkor
Getting closer to Kochkor
Nicht mehr lange bis Kochkor
The sink to wash yourself is usually outside the house, as there are no real
Waschbecken vor dem Haus, es gibt in der Regel keine Badezimmer
A typical village ship
Ein typischer Dorfladen
Breakfast at our luxury B&B
Frühstück in unserem luxuriösen B&B

Noch ein Paar geteerte Kilometer am nächsten Morgen und dann bogen wir rechts in Richtung Son Köl ab. Hunderte von Kilometern sollten wir nun auf unbefestigten, staubigen, felsigen und holprigen Schotterstraßen verbringen. Jetzt wurde es richtig anstrengend. Außerdem ging es bereits richtig stark bergauf, denn um den See zu erreichen mussten wir erst einen 3.446 Meter hohen Pass überwinden. Die Landschaft war grandios – grüne Weiden so weit das Auge reicht, rauschende Flüsse tief unter uns und sanfte, baumlose Berge um uns herum. Am Abend stellten wir unser Zelt in der Nähe eines Bauernhofes auf, wuschen uns im eiskalten Fluss, kochten und schafften es gerade noch, uns vor Ausbruch des Unwetters ins Zelt zu retten. Die erste Nacht im Zelt und es regnete – das fing ja gut an.

Last kilometers on tarmac
Die letzten Kilometer auf Asphalt
Let the torture begin
Die Selbstkasteiung kann beginnen
Pushing due to the strong headwind
Schieben, da der Gegenwind zu stark ist
Rugged scenery
Schroffe Berglandschaft
Dust
Staub

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Can you see the gold at the end of the rainbow?
Auf der Suche nach dem Goldtopf am Ende des Regenbogens 
A home with a view
Ein Zuhause mit Aussicht
Filtering water
Wasser filtern

Noch waren wir nicht wirklich gut organisiert – weder unser Gepäck noch wir als Team – und wir brauchten geschlagene drei Stunden am nächsten Morgen, bevor wir uns an den Pass machen konnten. Schwitzend und fluchend, kräftig in die Pedale tretend, langsam schiebend, unser vieles Gepäck verwünschend, Meter für Meter, von Pause zu Pause erreichten wir nach mehr als fünf Stunden harter Arbeit den Gipfel. Doch bevor wir unser erstes großes Etappenziel feiern konnten, durften wir selbst einige Geschenke in Empfang nehmen. Kurz vor dem Gipfel hielten wir, um unsere Wasserflaschen nachzufüllen und unser letztes Essen in uns reinzuschieben, nicht wissend, dass wir uns nur 100m vor dem Ziel befanden. Ein erstes Auto hielt, ein betrunkener Familienvater kam heraus und wollte uns unbedingt etwas schenken. Kumus – mehr dazu später – konnten wir zunächst erfolgreich ablehnen. Eine Tüte mit allerlei Süßigkeiten, altem Brot und verfaulten Aprikosen nahmen wir dann höflichkeitshalber an und auch das Stück undefinierbarem Fleisch – es sah aus wie ein Teil eines Magens – das aus einer alten Plastiktüte aus dem Kofferraum kam, konnten wir nicht ablehnen. Ein paar Fotos später mit der ganzen Familie zogen sie von dannen und Johan vergrub das Fleisch unter einem Felsen, hoffend, dass sich später hieran die Wölfe ergötzten. Gerade rechtzeitig, um den restlichen Berg in Angriff zu nehmen, hielt das nächste Auto. Ein Muselman öffnete das Fenster, schrie Salam Aleikum, schmiss uns eine Flasche mit einer undefinierbaren weißen Flüssigkeit entgegen und fuhr weiter. Mit offenen Mündern bedankten wir uns, aber das Auto befand sich schon auf der sich windenden Passstraße weiter unten. Auch das nächste Auto hielt, dieses Mal begrüßte uns der Besitzer der Pension, in der wir die vorletzte Nacht verbrachten. Er wollte uns damals schon mit dem Auto an den See fahren, da wir das seiner Ansicht nach niemals mit dem Fahrrad schaffen könnten. Mit im Auto waren zwei holländische Touristen, die uns schüchtern fragten, ob wir ein Paar seinen, da wir doch schließlich aus unterschiedlichen Ländern kämen. Interessanterweise wurden wir dies des Öfteren gefragt – und zwar immer von Touristen!

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